Geschrieben Björn-Ole Kamm

Simulierte Ko-Präsenz und Transkulturelles Lernen durch Larp – Eine Projekt-Skizze

Vortrag beim MittelPunkt 2019 zu Larp als Methode des transkulturellen Lernens (16.11.2019, Heldrungen).

Das vorzustellende Projekt untersucht Larp als designte, realweltliche Situationen, die kognitive und emotionale Interaktion zwischen Spielenden und ihren Charakteren bewirken, und ihr Potential, als Instrument zu dienen, um Verständnis und Empathie für „abwesende Andere“ zu ermöglichen. „Abwesend“, da die jeweiligen Personen in früheren Epochen gelebt haben, zu weit entfernt sind oder es ethisch zweifelhaft wäre, sie in einer Art und Weise vorzuführen, die einer Zooausstellung gleicht. Stattdessen lernen die Teilnehmenden diese Personen kennen, indem sie mit fiktiven Repräsentationen interagieren oder ihre Perspektive einnehmen und in der designten Situation tatsächlich diese „Anderen“ werden (simulierte Ko-Präsenz).
Transkulturelles Lernen bezeichnet in diesem Zusammenhang ein Verständnis für kulturelle Differenzierungsprozesse, die Art und Weise, wie Personen zu „Anderen“ gemacht werden, die sich von „uns“ unterscheiden. Ein Paradebeispiel für diese Prozesse sind Stereotypisierungen, die sich zunehmend zu hate speech im Internet steigern und Gewalt gegen ausgegrenzte Gruppen wie Migranten, sexuelle Minderheiten und Menschen mit Behinderungen fördern. Direkte Begegnungen können als Schutz vor Stereotypen dienen. Solche Begegnungen sind jedoch nicht immer möglich. Stattdessen können vermittelte Begegnungen durch Larp eine Möglichkeit sein, (trans-) kulturelle und Medienkompetenzen zu fördern, um Menschen zu helfen, Unterschiede durch direktes Erfahrungswissen als nicht bedrohlich zu verstehen.
Als Beispiel für eine stereotypisierte und sozial ausgegrenzte Gruppe in der japanischen Gesellschaft (aber auch anderswo) und zum Zweck der Erstellung eines Leitfadens für Lehrende an japanischen Schulen, soll ein Larp über die Wahrnehmungen und Lebenswelten von Menschen entworfen und getestet werden, bei denen Autismus diagnostiziert wurde. Der Vortrag wird das Projekt vorstellen und sich mit den (Design-) Herausforderungen auseinandersetzen.

Präsentation: PDF.

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