{"id":631,"date":"2012-09-27T18:02:16","date_gmt":"2012-09-27T16:02:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.b-ok.de\/?p=631"},"modified":"2020-06-18T15:17:55","modified_gmt":"2020-06-18T06:17:55","slug":"internet-ethics","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.b-ok.de\/de\/japanese-studies\/internet-ethics\/","title":{"rendered":"Zur Ethik von Internetforschung zu Subkulturen in Japan"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pr\u00e4sentation<\/strong> beim 5. Next-Generation Global Workshop an der Kyoto University, 6-7.11.2012.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Vortrag zu ethischen Fragen bez\u00fcglich Cyber-Ethnographie und der Erforschung japanischer Subkulturen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Abstract<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Internet wird zwar bis heute zu den \u201eneuen\u201c Kommunikationstechnologien gez\u00e4hlt, ist aber kaum noch aus den Alltagserfahrungen der Menschen wegzudenken. Die Nutzerzahlen haben sich innerhalb der vergangenen Dekade weltweit vervierfacht und 70% der Bev\u00f6lkerung in der \u201eersten Welt\u201c nutzen regelm\u00e4\u00dfig das Internet bei einem j\u00e4hrlichen Zuwachs von 2-3%. Die erste Generation der <em>digital natives, <\/em>die nach der Entwicklung des Internets geboren wurden und somit eine Welt ohne Internet nicht kennen, ist bereits erwachsen. Die weite Verbreitung von Breitbandanschl\u00fcssen und mobilen Endger\u00e4ten wie Smartphones tr\u00e4gt ihren Teil dazu bei, dass Internetnutzung keine au\u00dfergew\u00f6hnliche Praktik mehr darstellt, sondern die \u201evirtuelle\u201c Realit\u00e4t zur <em>augmented reality <\/em>geworden ist. Insbesondere die \u201esozialen Netzwerke\u201c bzw. entsprechende Services wie <em>facebook <\/em>und <em>mixi, <\/em>Internetforen oder die Mini-Blogging Plattform <em>twitter <\/em>\u00fcbertreffen in der Nutzung weltweit zunehmend die \u201etraditionellen\u201c Internetangebote wie E-Mail und Suchmaschinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Internet und seine Nutzung selbst ziehen medien-, sozial- und kulturwissenschaftliche Aufmerksamkeit auf sich und haben eine wachsende (digitale) Bibliothek an Fallstudien und gro\u00df angelegten Erhebungen hervorgebracht. Gleichzeitig er\u00f6ffnet das Internet zahlreiche M\u00f6glichkeiten, als Werkzeug f\u00fcr die Wissenschaft eingesetzt zu werden \u2013 sei es zur Kollaboration oder zur Datenerhebung selbst. Das Potential f\u00fcr letztgenannte und die gleichzeitige, mangelnde <em>media literacy <\/em>f\u00fcr den Umgang mit pers\u00f6nlichen Daten haben Firmen wie Google schnell erkannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau hier sitzt das Problem f\u00fcr die Sozialforschung und setzt dieser Vortrag an: Die technischen und ethischen (Un-) M\u00f6glichkeiten des Internets. Nie war es einfacher, schnell Zugang zu \u201esubkulturellen\u201c Gruppen wie <em>fujoshi <\/em>(weibliche Fans m\u00e4nnlicher Homoerotik) oder <em>cosplayern<\/em> und ihren \u201ewestlichen\u201c Pendants zu erhalten. Bei <em>mixi <\/em>eingeloggt lassen sich einerseits \u00fcber ein paar wenige Klicks willige Probanden f\u00fcr Interviews finden, zu denen man sich nicht einmal mehr treffen muss, dank Chatfunktion. Andererseits ist es m\u00f6glich, sich ganze Diskussionen auf den eigenen Rechner zu laden und sogleich mit der Kodierung und Analyse zu beginnen. Selbst f\u00fcr sozialwissenschaftliche Studien erscheint somit ein Japanaufenthalt nicht mehr zwingend n\u00f6tig. Die Pseudonymit\u00e4t des Internets erlaubt es sogar, sich als einer der Untersuchten zu \u201etarnen\u201c oder die eigene Herkunft zu verschleiern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die technologischen H\u00fcrden f\u00fcr derartige Vorgehensweisen (z.B. Identifikationsverifikation, Sprachgrenzen des Internets, vor Suchmaschinen versteckte Seiten) sowie methodologische Bedenken (z.B. systematische Fehler bei der Stichprobe, soziale Erw\u00fcnschtheit) werden zwar ebenfalls behandelt, der Fokus des Vortrags liegt jedoch gerade auf den ethischen Aspekten der internetbasierten Forschung. Rechtfertigt das Streben nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die Mittel? Welche Probleme bestehen im Vergleich zu den ethischen Fragen ethnographischer Methoden im Allgemeinen? Das Internet gilt als \u00f6ffentlicher Raum \u2013 geh\u00f6ren die Daten somit allen? Was ist jedoch, wenn man erst Mitglied in einer \u201egeschlossen\u201c <em>community <\/em>werden muss? Muss man hier die eigene Forscheridentit\u00e4t offenbaren? Diese Frage stellt sich gerade in der transkulturellen Forschung. Als ausl\u00e4ndischer Forscher provoziert man mitunter selbst-orientalisierende Antworten bei den japanischen Befragten (<em>nihonjin-ron<\/em>). Ist es also nicht sinnvoller, die eigene nationale Identit\u00e4t durch ein Pseudonym zu verschleiern? Anhand von Beispielen und Ergebnissen aus einem laufenden Forschungsprojekt zur transkulturellen Internetkommunikation sollen diese Fragen diskutiert werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pr\u00e4sentation beim 5. 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